Der Übergang vom Kindergarten in die Schule ist nicht nur für die Kinder, sondern für alle Beteiligten ein großer Schritt. Für Kinder beginnt mit dem Schulstart ein komplett neuer Lebensabschnitt, von dem sie nicht wissen, wie er wird. Sie lernen viele neue Menschen kennen, verlieren einige ihrer vorherigen Bezugspersonen und müssen sich einfach auf die kommende Ungewissheit einlassen. Für viele Kinder ist das ein tolles Abenteuer und sie freuen sich, ohne sich Sorgen zu machen, andere Kinder haben mit dem Übergang große Herausforderungen und entwickeln Ängste vor dem Neuen. Damit dein Kind voller Selbstvertrauen in diesen neuen Lebensabschnitt startet, kannst du es nicht nur praktisch, sondern auch mental mit diesen 10 Tipps zur Einschulung gut vorbereiten.
10 Tipps für einen entspannten Schulstart:
- 1) Selbstwirksamkeit ermöglichen💪
- 2) Autonomie fördern🧠
- 3) Mindset stärken💭
- 4) „Bald geht der Ernst des Lebens los!“👓
- 5) Achtsame Sprache🗣️
- 6) Rollenspiele🧑🎓
- 7) Ehrliche Kommunikation💬
- 8) Schule als sicherer Ort🏫
- 9) Schulzubehör gemeinsam kaufen📚
- 10) Übergangsobjekt mitgeben📝
- Buchempfehlungen: Kinderbücher für den Schulstart📖
Tipp 1: Selbstwirksamkeit ermöglichen 💪
Neben der Sicherheit, die ihr als Eltern euren Kindern vermittelt, ist es auch wichtig, ihnen Selbstwirksamkeit zu ermöglichen, damit sie merken, wie viel sie schon alleine schaffen können. Lass dein Kind daher im Alltag immer mal wieder kleine Aufgaben übernehmen, um das Vertrauen in sie selbst und die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Kinder im Vorschulalter sollten im Alltag immer mal wieder in Aufgaben des Haushalts involviert (Buchtipp: Bohrer, Lampe, Spülmaschine) werden – viele Kinder freuen sich, wenn sie immer mal wieder nach Unterstützung bei Alltäglichem gefragt werden. Gemeinsam den Tisch decken, etwas zusammen kochen oder mal den Müll rausbringen können Kinder in dem Alter definitiv übernehmen und sie sind meistens stolz, wenn sie etwas zum gemeinsamen Haushalt beitragen können. Auch beim Einkaufen können Kinder im Vorschulalter gut involviert werden und damit ihre Selbstwirksamkeit spüren und über sich hinaus wachsen. Schaut zu Hause bereits, was alles benötigt wird und schreibt oder malt gemeinsam eine Liste, die das Kind dann allein abarbeiten kann – die meisten Kinder lieben es, einen eigenen Wagen zu schieben und zu befüllen und sind mächtig stolz, wenn sie selbstständig durch den Laden laufen und die Liste abarbeiten dürfen.
In der Schule wird dein Kind auch immer wieder selbstwirksam handeln (müssen), sich selbst strukturieren, eigenes Material selbstständig verwalten und eigenverantwortlich lernen.
Tipp 2: Autonomie fördern 🧠
Falls ihr das nicht eh schon macht, fangt bitte spätestens jetzt damit an, das natürliche Bedürfnis nach Autonomie immer wieder zu fördern. Das können ganz kleine Fragen beinhalten, wie „Was möchtest du heute anziehen?“ bzw. je nachdem, wie schwer es deinem Kind fällt, solche Entscheidungen zu fällen auch: „Möchtest du heute das rote oder das blaue Kleid anziehen?“ (Buchtipp: Anziehbuch). Wichtig dabei ist, wenn du eine Frage stellst, dann hat die Antwort deines Kindes auch Relevanz und muss umgesetzt und darf nicht übergangen werden. Also überlege dir gut, welche Dinge dein Kind allein entscheiden darf, ohne dass du im Anschluss zurückrudern musst und dadurch deinem Kind Unsicherheit ermittelst und das Gefühl gibst, dass die Entscheidung nicht ernst genommen wird.
In der Schule wird dein Kind auch immer mal wieder selbst Entscheidungen treffen müssen und da ist es hilfreich, wenn es schon vorher lernt, dass es selbst dazu in der Lage ist.
Tipp 3: Mindset stärken 💭
Vielleicht hast du es schon einmal gehört – Mindset wird gern in „fixed Mindset“ und „growth Mindset“ (Affirmationskarten) eingeteilt, wobei „fixed“ bedeutet, jemand glaubt daran, dass etwas in Stein gemeißelt ist: „Wenn ich heute etwas nicht kann, dann werde ich es morgen auch nicht können.“ und das „growth Mindest“ steht dafür, dass jemand an sich und seine eigenen Möglichkeiten zu wachsen glaubt. Nehmen wir also an, dein Kind ist eher Typ „Ich kann das eh nicht.“ oder „Ich bin zu doof!“, dann is es wichtig, deinem Kind immer wieder aufzuzeigen, was es bereits geschafft hat und wie viele Dinge es in seinem Leben bereits gelernt hat, bei denen es vielleicht zuvor auch dachte, es nie schaffen zu können. Hierfür nutze ich immer gern das Tool der Schatztruhe – ich bastle mit meinen Kindern oder Kindern in meinen Coachings oft eine eigene Schatztruhe, in die sie alles hineinmalen oder schreiben dürfen, was sie bereits erlebt, geschafft und erreicht haben. Das müssen nicht nur die riesengroßen Dinge, wie „Ich kann Fahrradfahren“ sein, sondern kann auch „Ich habe mich schonmal getraut, mein Eis selbst zu bestellen und bezahlen.“ oder „Ich kann mich schon alleine anziehen“ sein. Sammelt gemeinsam mit eurem Kind Dinge und hängt diese Schatztruhe dann sichtbar im Zimmer auf, sodass euer Kind immer wieder vor Augen hat, was es schon alles (aus eigener Kraft) geschafft hat. Da stärkt unheimlich das Selbstwertgefühl und das „growth Mindset“, denn dadurch lernt dein Kind, dass es nicht alles von Anfang an können muss, sondern auch durch lernen und üben zu Erfolgen kommen kann.
Tipp 4: „Bald geht der Ernst des Lebens los!“👓
Wenn dein Kind im Bezug aufs den Schulstart eh schon etwas verunsichert ist, können Fragen wie „Freust du dich schon auf die Schule?“ oder Aussagen, wie „Bald geht der Ernst des Lebens los!“ sie noch mehr verunsichern. Die Kinder verbringen ihre ersten Lebensjahre im Kreise von Bezugspersonen, die sie gut kennen, auf die sie sich verlassen können und bei denen sie wissen, woran sie sind. Mit dem Start in die Schule kommen nicht nur neue Bezugspersonen dazu, sondern bei Kindern, die den Kindergarten besucht haben, fallen auch noch einige Bezugspersonen, die ihnen Sicherheit gegeben haben, weg. Das heißt, sie brauchen jetzt von euch als Eltern besonders viel Sicherheit und keine Fragen oder Aussagen, die sie noch mehr verunsichern, als eh schon.
Tipp 5: Achtsame Sprache🗣️
Wie oben bereits geschrieben, ist es wichtig, mit dem Thema Schule keine Angst zu machen, sondern die Vorfreude deines Kindes zu steigern. Sprich vor dem Schulstart immer mal wieder darüber, was du in der Schule alles gelernt hast und was du an der Schule selbst gern mochtest. Falls du selbst keine positiven Erinnerungen hast, ist es vielleicht auch sinnvoll, das Thema selbst noch einmal aufzuarbeiten, bevor du negative Erfahrungen auf dein Kind projizieren und damit unterbewusst Unsicherheit auslöst. Neben den eigenen Erfahrungen kannst du aber auch durch kleine bewusste Aussagen Sicherheit geben und dein Kind für den Schulstart stärken. Zum Beispiel indem du dein Kind darin bestätigst, dass es okay ist, unsicher zu sein: „Jeder hat mal Angst vor neuen Dingen (auch ich) und das ist vollkommen in Ordnung. Ich glaube ganz fest daran, dass du es schaffst und ich unterstütze dich, so gut ich kann!“
Tipp 6: Rollenspiele🧑🎓
Die meisten Kinder lieben Rollenspiele und das darfst du in diesem Fall für dich nutzen. Spiele mit deinem Kind Schule und bereite es damit im Spiel auf die neue Situation vor. Dabei kann dein Kind lernen, für längere Zeit auf dem Stuhl sitzen zu bleiben, aber auch das Melden könnt ihr bereits spielerisch lernen und das selbstbewusste Nachfragen, wenn etwas nicht verstanden wurde. Stell dich als Lehrkraft gern mal etwas blöd und lass dein Kind etwas erklären und gehe auf Fragen deines Kindes ein. Wir Eltern sind nicht allwissend und das dürfen unsere Kinder gern auch merken – zeige ihnen, dass auch du nicht immer alles weißt und überlegt gemeinsam, wie ihr die Antwort herausfinden könntet – schaut euch entsprechende Kinderbücher für den Schulstart an oder schaut im Internet nach – so förderst du das Interesse deines Kindes und zeigst auch, dass es nicht notwendig ist, alles immer zu wissen. Was viele Kinder besonders mögen ist ein Rollentausch – du bist das Kind und die Kinder spielen Lehrkraft – lass dich auch darauf ein und spiele mit, damit förderst du auch wieder die Selbstwirksamkeit und das Selbstbewusstsein deines Kindes und das ganz spielerisch nebenbei.
Neben der mentalen Vorbereitung gibt es auch noch einige praktische Dinge, die du machen kannst, um dein Kind bestmöglich auf den Schulstart vorzubereiten:
Tipp 7: Ehrliche Kommunikation 💬
Sei im Austausch mit weiteren Bezugspersonen. Manchmal sind wir als Eltern selbst verunsichert oder übertragen unsere eigenen Ängste auf unsere Kinder. Daher ist es total wertvoll und wichtig, sich auch mit anderen Menschen auszutauschen, die dein Kind gut kennen. Sie können dir aus einer anderen Perspektive schildern, wie sie dein Kind sehen, können vielleicht Stärken erkennen, die du gar nicht im Blick hattest und dir davon berichten. Besonders im Kindergarten verhalten Kinder sich ja oft ganz anders, als zu Hause und eine offene Kommunikation mit den Fachkräften, die dein Kind jeden Tag sehen, kann dir bewusst machen, dass dein Kind den Übergang besser meistern wird, als du vielleicht befürchtest. Sei ganz ehrlich mit dir und den anderen Bezugspersonen, nur so könnt ihr gemeinsam als Team eine bestmögliche Begleitung für dein Kind in diesem besonderen Übergang sein.
Wenn es vielleicht Herausforderungen oder Sorgen gibt, die dir auf dem Herzen liegen, dann ist es auch immer sinnvoll, bereits vor dem Schulstart ins Gespräch mit der Schule zu gehen, um auch dort gemeinsam für dein Kind einen bestmöglichen Übergang gestalten zu können. Scheue dich nicht, die Schule zu kontaktieren, bevor es dir schlaflose Nächte bereitet und du dein Kind mit flauem Magen (Buchtipp: Wieso habe ich eigentlich Angst?) in die Schule starten lässt.
Tipp 8: Schule als sicherer Ort 🏫
Wie schon des Öfteren beton: Für dein Kind ändert sich so Vieles mit dem Schulstart - nicht nur die Bezugspersonen, sondern auch der tägliche Ablauf und auch die Örtlichkeit. Dein Kind wird vielleicht noch nie eine Schule von Innen gesehen haben und gar nicht wissen, wie es dort aussieht. Falls die Möglichkeit besteht, besucht gemeinsam einen Tag der offenen Tür und schaut euch die Schule schon einmal an. Wenn das nicht geht, solltet ihr wenigstens schon einmal die Schule von Außen anschauen – nimm dein Kind mit zur Anmeldung, lass es selbst den Anmeldebrief in den Briefkasten stecken (das fördert mal wieder die Selbstwirksamkeit) und schaut euch, wenn es geht auch den Schulhof an, damit dein Kind einen ersten Eindruck bekommen kann und sich nicht am ersten Schultag (bzw. am Einschulungstag) komplett neu auf den Ort einstellen zu müssen, sondern die Schule schon als sicheren Ort kennt.
Tipp 9: Schulzubehör gemeinsam kaufen 📚
Für die meisten Kinder ist der Ranzenkauf ein absoluter Höhepunkt, denn mit Schulranzen sind sie auf einmal „groß“ und „bald Schulkind“. Ich weiß, dass es oft einfacher ist, das ganze Zubehör, dass für den Schulstart benötigt wird, online zu bestellen, aber wenn ihr das Gefühl habt, euer Kind möchte noch mehr in den Prozess involviert werden, schnappt euch die Liste, die ihr von der Schule bekommen habt und geht gemeinsam in einen Laden vor Ort, um dort alles zusammenzusuchen. Dein Kind wird dadurch noch bewusster wahrnehmen, dass es bald ein Schulkind ist und kann mit jedem Produkt, dass es sich aussucht, selbst entscheiden: roter oder blauer Anspitzer; Sammelmappe mit Delfinen oder mit Dinos – hier wird einerseits wieder die Selbstwirksamkeit gesfördert und die Vorfreude auf die Schule gesteigert. Packt dann auch gemeinsam den Ranzen ein und binde dein Kind in den kompletten Prozess mit ein.
Tipp 10: Übergangsobjekt mitgeben 📝
Wenn es dann so weit ist – der erste Schultag ist gekommen und du möchtest dein Kind weiterhin bestärken, auch wenn du nicht bei ihm sein kanst, gib ihm ein besonderes Übergangsobjekt mit in die Schule. Vielleicht kennst du das auch noch von der Eingewöhnung in den Kindergarten – ein Kuscheltier kann ganz viel Sorgen auffangen und in unsicheren Momenten als Unterstützung zur Seite stehen. Für die Schulkinder ist es manchmal unangenehm, ein Kuscheltier dabei zu haben, aber dafür gibt es ganz viele wunderbare Alternativen: kleiner Glückbringer als Anhänger am Schulranzen, einen kleinen Brief oder eine Affirmationskarte mit stärkendem Spruch (oder Bild) im Etui, oder auch ein Foto von euch als Familie. Sprich das unbedingt mit deinem Kind ab, ob es etwas in der Art benötigt – manche Kinder möchten das ganz bewusst nicht, weil es ihnen den anderen Kindern gegenüber unangenehm ist oder weil sie euch dann noch mehr vermissen, wenn sie dieses Übergangsobjekt in der Schule sehen. Manchmal reicht es auch, sich morgens gegenseitig ein kleines Herz auf die Hand zu malen und zu wissen, der andere ist immer da, auch wenn ich ihn gerade nicht sehe. Dazu fällt mir gerade ein ganz tolles Buch ein, dass ihr zum Thema „Verbindung, auch wenn ich gerade nicht bei dir bin“ unbedingt lesen solltet: Liebe
Wo wir dann auch beim letzten Punkt meines Beitrages angekommen sind. Das hier wäre kein Blogpost auf dem Räuberfuchsblog, wenn ich euch nicht auch noch ganz wunderbare Buchempfehlungen mitgebracht hätte. Und fall ihr euch fragt: Was schenkt man zur Einschulung? Sind das auch tolle Geschenkideen zur Einschulung:
Buchempfehlungen: Kinderbücher für den Schulstart 📖
Hier kommen die besten Kinderbücher zur Einschulung:
Für euch als Eltern eine absolute Empfehlung für das Buch „Hallo Schulananfang“ von Saskia Niechzahl (falls du sie noch nicht kennst – folg ihr unbedingt auch bei Instagram!).
Und das Buch „Miteinander durch die Grundschulzeit“ von Inke Hummel kann ich euch auch nur wärmstens ans Herz legen.
Um gemeinsam mit euren Kindern den Schulstart zu feiern und sich auf das Thema schonmal vorzubereiten, gibt es hier die besten Kinderbücher zur Einschulung:
Ein tolles Mitmachbuch für Vorschulkinder ist: „Hallo Schule, hier kommt Ben“, hier begleitet ihr Ben, der ziemlich aufgeregt ist, an seinem ersten Schultag und helft ihm, sich am neuen Ort mit den neuen Menschen zurechtzufinden – wirklich ganz süß gemacht.
Meine Kinder sind große Fans vom „kleinen Wir“ und deshalb durfte hier zum Schulstart „Das kleine Wir kommt zur Schule“ und „Das kleine Wir in der ersten Klasse“ einziehen. Ich mag die Bücher sehr und falls ihr das kleine Wir noch nicht kennen solltet, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, es mit diesen schönen Büchern kennenzulernen:
So, mit diesen Tipps und Tricks solltet ihr nun bestmöglich auf den Schulstart eures Kindes vorbereitet sein und den Übergang gut gestalten können. Die Vorschulzeit ist für euch alle eine besondere und aufregende Zeit – genießt sie gemeinsam und freut euch zusammen auf den nächsten großen Schritt, ohne Druck und Stress aufzubauen – ihr rockt das gemeinsam!
Wenn ihr unsicher sein solltet, meldet euch gern bei mir, ich unterstütze euch gern. Eure Anna
Über die Autorin dieses Artikels:

Anna Kohnen lebt in einem kleinen Ort am Rande Braunschweigs gemeinsam mit ihrem Mann und ihren 2 Kindern. Sie ist Erziehungswissenschaftlerin und arbeitet selbstständig als Eltern- und Kindercoach, außerdem ist sie Schulstarthelferin bei der Lebenshilfe Braunschweig. Sie trinkt ihren Kaffee mit viel Milch, liebt das Gefühl von Sonne auf der Haut und nimmt sich selbst nicht immer so ernst. Alles Weitere findest du unter: anna-kohnen.de
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