Ernährung - riesige Verantwortung?! Viele praktische Tipps und Buchempfehlungen

Ernährung - riesige Verantwortung?! Viele praktische Tipps und Buchempfehlungen

Das Thema Ernährung ist für viele Eltern zu irgendeinem Zeitpunkt belastend. "Mein Kind isst nur Nudeln. Wie soll ich Nährstoffe ins Kind kriegen?" "Mein Kind ist zu dünn, was soll ich tun?" "Mein Kind ist süchtig nach Süßem! Hilfe!"' 

Wir wollen uns diesem Thema im folgenden widmen und hoffentlich den einen oder anderen Impuls dalassen, der zu eurer individuellen Situation passen könnte und der lohnt, ausprobiert zu werden.

Betonen möchte ich: Es geht hier niemals und an keiner Stelle darum, Druck aufzubauen. Es geht nicht um schlechtes Gewissen machen, nicht um Schuld und Scham. Wir haben alle immer wieder die gleichen Probleme in unseren unterschiedlichen Familien. Wir sind nicht allein. Und wir sind nicht Schuld, haben nichts falsch gemacht, wenn unser Kind grad nur Nudeln isst. Es geht um Impulse, die vielleicht kleine, positive Veränderungen fördern könnten.

Inhaltsverzeichnis

Warum gesunde Ernährung bei Kindern wichtig ist:

Die Frage, die über allem steht: Was ist eine ausgewogene Ernährung für Kinder? Gesunde, ausgewogene Ernährung bei Kindern ist wichtig, weil sie einen wesentlichen Beitrag zum körperlichen und geistigen Wachstum leistet. Eine abwechslungsreiche Ernährung versorgt den Körper mit den nötigen Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen, die das Immunsystem stärken, das Wachstum fördern und die Konzentrationsfähigkeit unterstützen. Außerdem hilft sie dabei, langfristig gesunde Essgewohnheiten zu entwickeln – ein wichtiger Baustein für das Wohlbefinden im Erwachsenenalter. Mit kleinen, bewussten Schritten im Alltag kann so der Grundstein für ein gesundes Leben gelegt werden, ohne dass dabei Druck entsteht. - Soweit ist es wohl jedem klar. Nur was mache ich, wenn mein Kind meine ausgewogene Ernährung einfach nicht annimmt? Wenn es nichts probieren will? Schnell kommt die Angst hoch. Und die darf natürlich sein. Gleichzeitig muss und kann nicht immer alles perfekt sein. 

Jeder kleine Schritt in Richtung gesündere Ernährung ist bereits ein Erfolg. 

Kinderbuch über Ernährung: Willst Du nicht wenigstens mal probieren?

Nora Imlau hat den Begriff "moralisch neutral" (adaptiert von K.C.Davies, nachzulesen in Bindung ohne Burnout) geprägt. Gesunde Ernährung ist wichtig. Wenig oder kein Zucker erstrebenswert. Ebenso eine Ernährung mit möglichst viel frischen und wenig hochverarbeiteten Lebensmitteln. Gleichzeitig darf es auch zwischendurch Tiefkühlpizza sein, wenn meine Ressourcen als Elternteil das gerade erfordern. Das ist moralisch neutral.

Außerdem wichtig zu wissen: Kinder entwickeln nur sehr selten wirklich einen Nährstoffmangel. Sie können sich sehr lange nur von Nudeln ernähren, bevor sich das in der Gesundheit und in den Blutwerten zeigen würde. Daher dürfen wir als Eltern da im großen und ganzen auch entspannt sein. (Und Nahrungsergänzungsmittel bitte nur in Rücksprache mit Kinderarzt/Kinderärztin und nach einem Blutbild geben.) Trotzdem haben wir natürlich auch eine Verantwortung für die Gesundheit unserer Kinder. Und wie wir der vielleicht ein bisschen besser nachkommen können, lest ihr jetzt:

Gesunde Ernährung für Kinder:

7 praktische Tipps für Eltern

Gesunde Ernährung bei Kindern erreichst du am besten mit kleinen, alltagstauglichen Schritten, die Spaß machen und ohne Zwang ablaufen:

1️⃣ VORBILD SEIN: Lebe selbst eine ausgewogene Ernährung vor, denn Kinder nehmen viel durch Beobachtung auf. Vermeide Kategorisierungen in gute und schlechte Lebensmittel, gesunde und ungesunde, sondern erwähne lieber, was die Lebensmittel im Körper machen, welchen Nutzen sie haben und welche zum Beispiel länger Energie liefern als Zucker. Eine super hilfreiche und kindgerechte Übersicht dazu findet ihr in Einmal kochen, alle happy! Bleib dabei aber unbedingt authentisch und genieß auch gern mal was mit deinem Kind zusammen. Es sollte nicht in eine ungesunde "Diätkultur" abdriften. (Hilfreiche Bücher dazu wären Flauschig mauschig und Körper sind toll!)

2️⃣ VIELFALT ANBIETEN: Biete regelmäßig bunte, abwechslungsreiche Mahlzeiten an, ohne zu viel Druck aufzubauen. "Eat the Rainbow / Iss den Regenbogen" (aus Einmal kochen, alle happy!) ist eine Strategie, die helfen und Struktur geben kann. Von jeder Farbe etwas, bunte Vielfalt an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten, verschiedene Konsistenzen - auch optisch schön anzuschauen weckt es den Appetit. Hier können auch die Pieksis helfen und Freude bereiten. Und wenn es mit dem offensichtlich anbieten nicht klappt, sind vielleicht Smoothies oder das Verstecken in Saucen oder Waffeln etwas für euch?

 

3️⃣ PARTIZIPATION / EINBINDUNG DER KINDER: Lass die Kinder beim Planen, beim Einkauf oder Kochen helfen – so werden sie neugierig und identifizieren sich mit dem Essen. Stöbert gemeinsam in Kochbüchern (Einmal kochen, alle happy! oder Igitt! Ich esse keine Bäumchen) und kocht dann daraus.

Zum Buch!

4️⃣ SPIELERISCHE METHODEN: Verwandle das Essen in ein kreatives Erlebnis, zum Beispiel durch bunte Obstspieße oder witzige Tellerpräsentationen. Auch hier können die Pieksis viel bewirken. Oder das Brot, Obst oder Gemüse mal mit Ausstechförmchen in schöne Form bringen. Oder in bunte Schälchen oder Silikonmuffinförmchen füllen. WICHTIG: Das alles kann helfen und nett sein, ist aber keineswegs ein Muss, um ein gutes Elternteil zu sein!!! Wenn es euch Spaß macht und die Ressourcen es zulassen, prima. Aber es ist kein weiteres wichtiges to do.

Außerdem können ungewöhnliche Orte helfen, Druck rauszunehmen und in lockerer Atmosphäre Dinge zu probieren. Warum also nicht ein Picknick auf dem Wohnzimmerboden, im Kinderzimmer oder in der Badewanne?

Schön kann es auch sein, neue Lebensmittel gemeinsam zu probieren und das ganz achtsam. Wie fühlt sich das Lebensmittel im Mund an? Welche Form hat es? Wie ist der Geschmack? Schmeckt es lecker, fruchtig, sauer, süß, bitter oder einfach "gesund"?

Vielleicht sind aber auch Machtumkehrspiele etwas für euch a la "Ich geh jetzt mal kurz in die Küche. Während ich weg bin darf auf keinen Fall jemand etwas von meinem Teller essen! ;-)" und dann hinterher natürlich gespielt aufregen, falls es geklappt hat.

Gesunde Ernährung für Kinder: praktische Tipps für Eltern5️⃣ GEDULD UND WIEDERHOLUNG: Akzeptiere, dass Kinder manchmal Ablehnung zeigen. Wiederholtes, unverkrampftes Anbieten kann dazu führen, dass sie sich langsam an neue Geschmäcker gewöhnen. Zwang zum Probieren bewirkt oft das Gegenteil und kann nachhaltig Schaden anrichten. Eine hilfreiche Methode können Probierteller sein. Viele Kinder mögen es nicht, wenn die ihnen unbekannten und vermeintlich ekligen neuen Lebensmittel auf ihren Teller kommen. Und berühren sollte sich sowieso bitte nichts! Das Kind bekommt also noch einen extra Teller und darf auswählen, was darauf kommt und vielleicht heute probiert wird. So wird das sogenannte Safe food, was gegessen und akzeptiert wird, nicht "kontaminiert". Safe food ist besonders für neurodivergente Kinder häufig ein Thema, aber beiweitem nicht nur. Scheut euch auch nicht, dass Safe food eurer Kinder z.B. bei Spielverabredungen in einer Brotdose mitzugeben, um eurem Kind einen sicheren Hafen zu bieten.

6️⃣ POSITIVE ATMOSPHÄRE: Schafft eine entspannte Essumgebung, in der Mahlzeiten als gemeinsame, freudige Momente erlebt werden. Findet euren eigenen Umgang. Vielleicht klappt bei euch die frei zugängliche Süßigkeitenschublade. Oder ihr braucht doch eher die rationierte Tages- oder Wochenportion. Helfen kann auf jeden Fall, wenn die Dinge, die ihr für euer Kind vielleicht nicht so sehr als Hauptnahrungsmittel wollt, einfach gar nicht da sind oder nicht mit dem wenigsten Aufwand zu kriegen sind.  Denn wenn wir mal ehrlich sind, greifen wir wahrscheinlich im Stress auch schnell zum Schokoriegel, wenn der eben da ist, anstatt uns einen Apfel oder Paprika aufzuschneiden. Wenn der Schokoriegel aber nicht als erstes da ist, wenden wir uns auch anderen Snacks zu. (Hört dazu auch gerne in die Folge "Sind Gummibärchen moralisch neutral?" im Podcast Aller Anfang von Nora Imlau rein. Dort gibt sie diesen und viele weitere Impulse).

7️⃣ ENTLASTUNG: Wichtig für gelingende Mahlzeiten ist auch eine Entlastung von euch Eltern. Also zum einen mental: Druck raus. Niemand verhungert am vollen Tisch, auch wenn das Kind manchmal gefühlt nichts isst. 

Zum anderen könnten Pläne entlasten, wenn das zu euch als Familie passt. Da gibt es ganz verschiedene Möglichkeiten. Ganz klassisch wäre, an einem bestimmten Tag der Woche einen Wochenplan mit allen Hauptmahlzeiten zu erstellen. Da gibt es auch online oder durch KI viele Anregungen. Außerdem gibt es Konzepte wie "Ewige Speisepläne", bei denen die ganzen erprobten Familienspeisen aufgeschrieben, kategorisiert und dann rotierend wiederkehrend gekocht werden. Eine weitere Möglichkeit, mentale Kapazitäten zu entlasten wäre, den einzelnen Wochentagen ein bestimmtes Thema zu geben. Beispielsweise montags Nudeln, dienstags Kartoffeln, mittwochs Suppe, whatever works und dann nur noch aus dieser Kategorie wählen zu müssen.

Die besten Buchempfehlungen & Kochbücher zur Kinderernährung:

Ein Must-Read für alle Eltern und auch in Bezug auf das Thema Ernährung ist Bindung ohne Burnout.

Das Familienkochbuch mit über 100 tollen Rezepten ist Einmal kochen, alle happy! Es liefert zusätzlich noch wertvolle Infos zu Beikost, Nährstoffen, Plänen und Strukturierungshilfen.

In Igitt! Ich esse keine Bäumchen lernt man Mika und seine Oma Trudi kennen, die mit einem Zauberstab dafür sorgt, dass Mika viel mehr isst und es ihm schmeckt, als er jemals gedacht hätte. Mit vielen tollen kindgerechten Rezepten.

Familienrezepte aus aller Welt - kinderleicht gemeinsam kochen - über 20 internationale Familienrezepte

Wo kommt unser Essen her? - Dieses Sachbilderbuch zeigt die verschiedenen Produktionsabläufe in kleinen und großen Betrieben und beantwortet viele Fragen.

Willst du nicht wenigstens mal probieren? ist ein witziges, freches Buch für mäkelige und heikle Esser, Kostverächterinnen, picky eaters und ihre gestressten Eltern. 

Erstes Aufklappen und Verstehen: Kauen, schlucken und verdauen  - Kindgerechte Reise durch das Verdauungssystem, auf der man hilfreiche Körpersäfte, Blutzellen, Vitamine und Mineralien trifft

Aufgeklappt und viel entdeckt! Das essen wir - viel Wissen für Kinder zum Thema Ernährung.

Und für die ganz Kleinen: Die große Mini-Bibliothek der Wörter - Essen und Trinken

Das große GU breifrei Kochbuch 

 

Ich möchte euch abschließend nochmals ermutigen, euch nicht unter Druck zu setzen, sondern euren eigenen Weg in eurem Tempo zu gehen und jeden Fortschritt zu feiern, sei er auch noch so klein.♥️

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